Kultur und Religion – Land mit Tradition

Geschichte erleben und Zukunft gestalten

Von archäologischen Funden bis zu lebendigen Traditionen: Entdecken Sie, wie Mecklenburg-Vorpommern sein reiches Erbe bewahrt, Identität stiftet und Geschichte für alle erlebbar macht.

Heimatpflege: Zusammenhalt und Kulturelle Identitäten in Mecklenburg-Vorpommern

Das Bedürfnis nach Heimat und Zugehörigkeit bleibt ein wichtiges Zukunftsthema in ganz Europa. Die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern sollen sich in unserem Land zu Hause fühlen und stolz auf das gemeinsam Erreichte sein. Ein starkes Heimatgefühl und Vorstellungen gemeinsamer Identität tragen zu einem guten Miteinander bei. Heimatbewusstsein ist also eine wertvolle Quelle für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und weckt das Interesse anderer an unserer Region.

Das Land engagiert sich seit vielen Jahren in der Heimatpflege und der Pflege des kulturellen Erbes. Mecklenburg-Vorpommern fördert zahlreiche Projekte, in denen viele Menschen ehrenamtlich aktiv sind:

  • Brauchtum: Heimatfreunde pflegen regionale Bräuche und Traditionen.
  • Regional- und Ortsgeschichte: Historische Kommissionen und Geschichtsvereine, Heimatstuben und Ortschronisten dokumentieren mit Leidenschaft die Regional- und Lokalgeschichte.  
  • Dörfliches Leben: Landfrauen gestalten das Leben im ländlichen Raum und bewahren Traditionen wie das Flechten von Erntekronen.
  • Musik und Sprache: Shanty-Chöre lassen alte und neue Seemannslieder erklingen, während Theatervereine das Niederdeutsche (Plattdeutsch) lebendig halten.
  • Tanz: Trachtengruppen präsentieren historische Tänze der Region.

Weit über 200 große und kleine Museen sowie Heimatstuben in Mecklenburg-Vorpommern unterstützen diese Arbeit mit ihren Sammlungen, bieten Beratung über den Arbeitskreis Immaterielles Kulturerbe in Mecklenburg-Vorpommern und leisten eigenständige Beiträge durch ihre Ausstellungen und Bildungsprojekte. 

Ein zentraler Partner für die Heimat- und Kulturerbepflege ist der Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern e.V.. Als Dachverband hilft er dabei, Projekte anzustoßen und umzusetzen, vernetzt Ansprechpartner und fördert kleine Vorhaben eigenständig. 

Daneben engagieren sich viele andere Institutionen und Träger in diesem Bereich, wie die Stiftung Mecklenburg, die Archäologische Gesellschaft Mecklenburg-Vorpommern oder das Pommersche Landesmuseum. Das Zentrum für regionale Geschichte und Kultur Mecklenburgs an der Universität Rostock soll das breite Interesse an der Geschichte und Kultur unseres Landes mit Angeboten der universitären Forschung und Lehre ergänzen. Die Digitale Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern, ein kostenloses Onlineportal für historische Schätze, Dokumente und Medien aus dem Bundesland, wird über die beiden Universitätsbibliotheken Rostock und Greifswald betrieben und vom Kulturministerium gefördert.

Niederdeutsch: Die Landessprache als Fundament regionaler Identität

Das Niederdeutsche oder Plattdeutsche ist ein wesentlicher Teil der Regionalkultur in Mecklenburg-Vorpommern. Als Heimat des bedeutenden Dichters Fritz Reuter genießt die Sprache im Land einen besonderen Stellenwert. Sie besitzt Verfassungsrang: Gemäß Artikel 16 Absatz 2 der Landesverfassung ist das Land verpflichtet, die niederdeutsche Sprache zu schützen, zu pflegen und zu fördern. Das Land Mecklenburg-Vorpommern ist darüber hinaus der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen beigetreten und hat eine Reihe von Verpflichtungen übernommen, die die Regionalsprache Niederdeutsch in Bezug zu Schulen, Hochschulen, Verwaltung, Justiz, Medien und Wirtschaft betreffen.

Die Vermittlung der Sprache an Kinder und Jugendliche verbessern zum Beispiel folgende, im Verantwortungsbereich des Ministeriums für Bildung und Kindertagesförderung liegende Maßnahmen:

  • „Heimatschatzkisten“ für Kitas 
  • Modellprojekte für Niederdeutsch-Kitas
  • Plattdeutsch-Wettbewerbe für Kitas und Schulen
  • Niederdeutsch als Unterrichtsfach ab der Grundschule und als Abiturfach an Profilgymnasien

Von zentraler Bedeutung sind dafür Forschung und Lehre der Universitäten, insbesondere des Kompetenzzentrums für Niederdeutschdidaktik (KND) der Universität Greifswald für die Lehrkräfteaus- und fortbildung.

Gemeinsam mit dem Beirat für Niederdeutsch und Heimatpflege aus Niederdeutsch- und Kulturerbe-Expertinnen und -Experten, will die Landesregierung auch die junge Generation stärker für das Plattdeutsche begeistern. 2024 wurde erstmals eine Schülerin als Niederdeutsch-Botschafterin berufen: ein sympathisches Gesicht für die Landessprache. Darüber hinaus tragen viele Aktivitäten dazu bei, das Plattdeutsche weiterzutragen:

  • Der Heimatverband richtet seit 2021 die „Plattdeutschen Wochen“ aus.
  • Seit über 30 Jahren wird kürt er zusammen mit dem Fritz-Reuter-Literaturmuseum Stavenhagen das „Plattdeutsche Wort des Jahres".
  • Eine mehr als einhundertjährige Tradition niederdeutscher Bühnenvereine ist 2014 durch die Aufnahme in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes gewürdigt worden: Die Niederdeutsche Bühne Schönberg ist über 70, die Niederdeutsche Bühne Neubrandenburg ist über 90 und die Fritz-Reuter-Bühne am Mecklenburgischen Staatstheater feiert 2026 ihr 100-jähriges Bestehen mit einem Festprogramm. Sie ist eines der beiden professionellen niederdeutschen Theaterensembles Deutschlands und spielt in Schwerin, Parchim und auf Gastspielen im gesamten Land.

UNESCO-Welterbe und immaterielles Kulturerbe in MV

Die Altstädte von Stralsund und Wismar repräsentieren idealtypisch eine Hansestadt während der Blütezeit des Städtebundes im 14. Jahrhundert. Aufgrund dieser baulichen Bedeutung erklärte die UNESCO beide Städte 2002 gemeinsam zum Weltkulturerbe.

Seit 2024 gehört auch das „Residenzensemble Schwerin“ zur UNESCO-Welterbeliste. Als „Kulturlandschaft des romantischen Historismus“ würdigte das Komitee das Gebäudeensemble um das Schweriner Schloss als außergewöhnliches Beispiel einer europäischen Adelsresidenz des 19. Jahrhunderts.

Mit den Buchenwäldern im Nationalpark Serrahn und auf Rügen (Teil des Weltnaturerbes „Alte Buchenwälder Deutschlands“) verfügt Mecklenburg-Vorpommern über insgesamt drei Welterbestätten.

Lebendige Traditionen: Das immaterielle Kulturerbe

Seit der Ratifizierung der UNESCO-Konvention durch Deutschland im Jahr 2013 wird ein bundesweites Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes geführt. Dazu zählen lebendige Überlieferungen und Ausdrucksformen von Wissen, Können und Bräuchen, die von Generation zu Generation weitergegeben und ständig neu gestaltet werden.

In Mecklenburg-Vorpommern werden vielfältige Traditionen aktiv gelebt. Seit 2014 wurden dreizehn Bewerbungen aus dem Land in das Verzeichnis aufgenommen, darunter:

  • Handwerk und Technik: Reetdachdeckerhandwerk, Köhlerhandwerk und Teerschwelerei und die traditionelle kunsthandwerkliche Herstellung der Darßer Haustüren
  • Maritime Kultur: Segeln und Bewahren der Zeesboote in der Vorpommerschen Boddenlandschaft, die Gestaltung und traditionell handwerkliche Fertigung der Vorpommerschen Fischerteppiche sowie die traditionelle Kleine Küstenfischerei an der Ostseeküste und in den Boddengewässern Mecklenburg-Vorpommerns
  • Brauchtum und Feste: der Brauch des Martensmannes, das Tonnenabschlagen sowie das Barther Kinderfest und das Malchower Volksfest
  • Sprache, Theater und Musik: Niederdeutsches Theater, das Spiel auf der diatonischen Handharmonika und die Vielfalt des Sagenerzählens in MV

Diese Traditionen sind als einzigartig und national bedeutsam anerkannt. Sie sind ein wichtiger Teil unseres kulturellen Erbes, spiegeln die kulturelle Vielfalt unseres Landes wider und prägen unsere Identität in besonderer Weise.

Architektur und Bautradition in Mecklenburg-Vorpommern

Das „Land zum Leben“ ist bekannt für seine über 2.000 Schlösser, Guts- und Herrenhäuser. Diese prächtigen Gebäude sind oft von sehenswerten Gärten und Parkanlagen umgeben. Auch die Seebäderarchitektur an der Ostseeküste – begründet durch Heiligendamm als erstes deutsches Seebad – prägt das Land ebenso wie die regionalen Bautraditionen rohrgedeckter Fischerkaten, die Backsteingotik der Klöster, Kirchen und ganzer Stadtviertel oder die spätmittelalterlichen Rats- und Bürgerhäuser der Hansestädte.

Diese historischen Zeugnisse zu bewahren, zu pflegen und zu erforschen, ist die gemeinsame Aufgabe von Denkmalschutz und Denkmalpflege des Landes, der Landkreise und Gemeinden. Es gibt vielfältige Fördermöglichkeiten durch das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege (LAKD MV), auch aus der Tourismus- oder Städtebauförderung, des Bundes oder durch die Europäische Union. Die Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern (kurz: SSGK M-V) repräsentieren einige der schönsten und bedeutendsten Zeugnisse der Architekturgeschichte und Gartenkunst Norddeutschlands sowie die herzoglichen Kunstsammlungen und Kunstschätze internationalen Ranges von der Antike bis zur Gegenwart.

Mecklenburg-Vorpommern verfügt über einen außergewöhnlichen archäologischen Schatz:

  • Groß Raden: Im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden können Besucher einen altslawischen Tempelort erleben.
  • Tollensetal: Die Bronzezeit-Funde bei Altentreptow gelten als Zeugnisse des ältesten bekannten Schlachtfelds Europas (ca. 1250 v. Chr.).
  • Bildstein von Klotzow: Er wurde 900 Jahre nach der Missionsreise von Bischof Otto von Bamberg entdeckt, der die Christianisierung Pommerns einleitet, und ist der einzige seiner Art, der einen christlichen Würdenträger zeigen könnte.
  • Silberschätze: Auf Rügen wurden 2023 ca. 6.000 Silbermünzen aus dem 11. Jahrhundert gefunden, ein Silbergewicht von 6,7 Kilogramm – der größte slawenzeitliche Münzschatz der Nachkriegszeit. Außerdem wurde ein weiterer, der Silberschatz von Mölln bei Neubrandenburg entdeckt – um das Jahr 1060 datiert sind die silbernen Reliquien für den Nordosten sehr frühe Zeugnisse des Christentums.
  • Großes Schiff von Wismar: Das besonders gut erhaltene mittelalterliche Wrack im Hafen von Wismar ist ein in Nordeuropa einzigartiger Fund.

Weitere besondere Kostbarkeiten bergen die Bestände des Landesarchivs und der Landesbibliothek, beispielsweise die historische Musikaliensammlung des Landes. Aber auch neuere Zeugnisse werden untersucht: aktuell dokumentiert das Erfassungsprojekt „Ostmoderne in Neubrandenburg" Zeugnisse der Architektur, des Städtebaus und der Kunst im öffentlichen Raum von 1945 bis 1990.

Alle diese archäologischen Funde, Archivalien und Kostbarkeiten, Denkmale und Zeugnisse zu sichern, zu erhalten und zu präsentieren ist Ziel des Landes.

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FAQ

Zuständigkeit

Abteilung 4 - Kultur

Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten Mecklenburg-Vorpommern

Schloßstraße 6-8, 19053, Schwerin, DE+49 385 58818099

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